„Wir liefern IFC“ steht inzwischen in vielen Angeboten. Was diese Zusage praktisch bedeutet, wird selten geprüft — bis das erste Modell beim Auftraggeber ankommt und dort Bauteile ohne Attribute, falsch klassifizierte Wände oder unbrauchbare Mengen enthält. Dieser Beitrag ordnet ein, was offene Formate leisten, wo ihre Grenzen liegen und welche Festlegungen Sie treffen sollten, bevor Sie eine Lieferverpflichtung eingehen.

IFC ist ein herstellerneutrales Austauschformat für Bauwerksmodelle. Es beschreibt Geometrie, Bauteiltypen und Eigenschaften und ermöglicht damit, Modelle zwischen unterschiedlichen Autorensystemen auszutauschen. BCF ergänzt dies um einen strukturierten Austausch von Feststellungen: Ein Koordinator markiert ein Problem mit Ort, Kameraposition, Beschreibung und Zuständigkeit, und der Fachplaner erhält genau diesen Kontext in seinem eigenen Werkzeug. Beide Formate zusammen bilden die Grundlage dessen, was als openBIM bezeichnet wird.
Der entscheidende Punkt: Export ist nicht gleich Qualität
Nahezu jedes Autorensystem kann IFC exportieren. Das sagt jedoch nichts über die Verwertbarkeit aus. Häufige Probleme sind Bauteile, die als generische Baukörper statt als Wand, Stütze oder Träger exportiert werden, fehlende oder falsch benannte Eigenschaften, verlorene Bauabschnittszuordnungen und Geometrien, die zwar korrekt aussehen, aber für die Mengenermittlung ungeeignet sind. Wer Verwertbarkeit will, muss sie ausdrücklich vereinbaren und prüfen.
| Festlegung | Warum sie nötig ist | Prüfmöglichkeit |
|---|---|---|
| IFC-Version und View | Unterschiedliche Versionen transportieren unterschiedliche Inhalte | Vereinbarte Version im BAP, Testexport |
| Bauteilklassifikation | Sonst sind Mengen nicht gruppierbar | Regelprüfung auf Klassenzuordnung |
| Pflichtattribute | Kalkulation braucht Material, Bauteiltyp, Abschnitt | Automatisierte Attributprüfung |
| Geometrieform | Boolesche Verschneidungen verfälschen Mengen | Stichprobe gegen manuelle Ermittlung |
| Abgaberhythmus | Veraltete Modelle erzeugen Fehlentscheidungen | Terminplan mit Modellabgaben |
Diese Festlegungen gehören in den BIM-Abwicklungsplan und, wenn es um vertragliche Verpflichtungen geht, in die Vertragsunterlagen. Eine allgemeine Formulierung wie „Übergabe im IFC-Format“ ist im Streitfall wenig wert, weil sie keine prüfbare Qualität beschreibt. Formulieren Sie stattdessen konkret: Version, Klassifikationssystem, Liste der Pflichtattribute je Bauteilkategorie und ein definiertes Prüfverfahren.
BCF: das unterschätzte Arbeitspferd
Während IFC viel Aufmerksamkeit erhält, wird BCF häufig übersehen — obwohl es im Alltag oft mehr Zeit spart. Der Grund: Kommunikation über Modellprobleme läuft ohne BCF meist über Screenshots in E-Mails. Der Empfänger muss die Stelle im Modell manuell suchen, der Bearbeitungsstand ist nirgends nachvollziehbar, und nach vier Wochen weiß niemand mehr, welche Feststellung erledigt ist. Mit BCF entsteht eine nachvollziehbare Liste mit Verantwortlichkeiten und Status.
Für ausführende Unternehmen ist das besonders relevant, weil Feststellungen aus der Ausführung so den Weg zurück in die Planung finden. Ein Polier meldet eine Unstimmigkeit, die Bauleitung erzeugt daraus eine Feststellung mit Modellbezug, der Fachplaner bearbeitet sie in seinem Werkzeug. Diese Kette ersetzt eine erhebliche Menge an Telefonaten — vorausgesetzt, alle Beteiligten haben sich auf denselben Ablauf verständigt.
Was das für Ihre Vertragsgestaltung bedeutet
Prüfen Sie vor der Angebotsabgabe, welche Datenlieferungen der Auftraggeber tatsächlich verlangt und ob Ihr eingesetztes System diese verlustfrei erzeugen kann. Führen Sie im Zweifel einen Testexport mit einem realen Modellausschnitt durch und lassen Sie ihn gegenlesen. Bepreisen Sie Datenlieferungen, die über Ihren üblichen Arbeitsstand hinausgehen, als eigene Position — insbesondere die Pflege von Betriebs- und Wartungsdaten, die für Ihre Ausführung selbst keinen Nutzen hat.
Umgekehrt sollten Sie von Ihren Planungspartnern und Nachunternehmern dieselbe Klarheit einfordern. Wenn Sie als Generalunternehmer koordinieren, sind Sie auf verwertbare Fachmodelle angewiesen. Die notwendigen Anforderungen, Prüfroutinen und Abgabetermine erarbeiten wir gemeinsam mit Ihnen in der BIM-Beratung und Implementierung. Ob Ihre vorhandenen Werkzeuge dafür geeignet sind, klären wir im Fachbereich Software-Auswahl und Schulung.
Eine abschließende Einordnung: Offene Formate sind kein Selbstzweck und keine ideologische Frage. Sie sind ein Mittel, um Abhängigkeiten zu reduzieren und Daten über die Projektlaufzeit hinaus nutzbar zu halten. Für ein Bauunternehmen, das mit wechselnden Planungspartnern arbeitet, ist genau das ein handfester wirtschaftlicher Vorteil.
BitBau Digital Consulting GmbH
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